Gundolfs Bibliothek

Nachbau eines mittelalterlichen Reiterschildes im 21. Jahrhundert

Nachbau eines mittelalterlichen Reiterschildes im 21. Jh.

ein Erfahrungsbericht

 

Ab 12 Jahre

Seit längerer Zeit hatte ich schon die Absicht, mir einen „ordentlichen“ Ritterschild zuzulegen. Immerhin befinden sich in meinem Besitz eine Replik von Balians Schwert, ein Gambeson in den Ibelin-Farben und auch der Wappenrock eines gewissen Herrn von Ibelin.

Auf Mittelaltermärkten findet man zwei Sorten von Arten zum Kaufen, die aber beide nicht historisch korrekt sind: Entweder die beim Schmied aus Metall für hunderte von Euronen oder die kleinen Spielzeugschilde aus dünnem Sperrholz oder gar Pressspanplatten. Von letzterer Sorte besitze ich zwei, von denen ich einen ohnehin schon umgemalt hatte (das Ibelin-Wappen …); der andere stach mir mit dem Wappenbild goldene Fleur de Lys (Wappenlilie) und der schräglinken grün-roten Schildteilung als Beinahe-Wendland auf einem Mittelaltermarkt in Grafenau im Bayerischen Wald ins Auge.

Lange Zeit ging ich davon aus, dass ein solcher Schild unbedingt aus Metall bestehen müsste. Wie sonst sollte er eine vernünftige Schutzfunktion gehabt haben? Noch vor zehn Jahren bin ich in einem Souvenirladen in Cochem um einige Schilde aus Metall herumgeschlichen, bei denen die Preise zwischen 95 und 200 € schwankten. Wenn ich dort nichts gekauft habe, lag das vor allem daran, dass ich keinen Schild fand, der eine einzelne oder zwei Fleur de Lys als Wappenbild zeigte.

Im Internethandel findet man inzwischen auch Holzschilde zum Selbstgestalten. Aber Holz? Mir war zwar klar, dass jedenfalls Wikinger- und Normannenschilde aus Holz bestanden und bestenfalls teilweise mit Metall beschlagen waren, aber das war Frühmittelalter. Im Hochmittelalter hatte man doch bestimmt Besseres – sprich Metall …

Was für ein Irrtum das war, zeigte sich, als mir das Buch „Der mittelalterliche Reiterschild“ von Jan Kohlmorgen aus dem Karfunkel-Verlag in die Finger geriet. Ich lese Karfunkel seit über zehn Jahren regelmäßig, bin mit der Chefredakteurin befreundet und schreibe seit zehn Jahren gelegentlich für diese Zeitschrift. Ende 2014 habe ich das Buch gekauft und geradezu verschlungen. Mit der Lektüre entstand auch der Plan, einen Schild selbst zu bauen. Denn das, was ich haben wollte, gab und gibt es nicht zu kaufen …

Mein erster Plan war ein reines Dekoteil. Fraglich war für mich also, in welcher Qualität der Schild eigentlich hergestellt werden sollte, wenn er im Prinzip „nur“ als Dekorationsobjekt dienen sollte. Mit allem Schnick an Riemen und Polstern oder wieder nur mit einer Aufhängevorrichtung an der Rückseite? Gebogen oder gerade?

Letztlich nahm ich mir vor, doch einen gebrauchstauglichen Schild zu bauen, also mit Polsterung und Riemen und mit gebogener Fläche.

Einen Teil der erforderlichen Materialien hatte ich, wie ich nach dem Check der Materialliste feststellte, andere musste ich erst noch anschaffen.

Was hatte ich?

  • Ich besaß Leder, wenn auch in Form von einem Sack Lederresten zum Basteln, die ich mir vor undenklich langer Zeit für 5 DM gekauft hatte. Der ist hier schon mit eingezogen – und wir wohnen jetzt 26 Jahre hier. Ich habe davon schon Bücherecken und einen Bücherrücken gebastelt, aber auch Mützenschirme und Gürteltaschen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was man auch aus Resten noch herstellen kann …
  • Ich hatte Pinsel und Farben – allerdings moderne Acrylfarben.
  • Ich hatte Leim, wenngleich in Form modernen Weißleims, den ich auch zum Bücherbinden benutze.
  • Ich hatte Leinwand von fertigen Malerleinwänden, die von Zeit zu Zeit bei den Discountern angeboten werden.
  • Ich hatte geschlossenes Buchbinderleinen in mehreren Farben – und mit der roten Variante habe ich mich definitiv bekauft. Steif wie Baumrinde und matt glänzend, weil auf der Außenseite mit einer gummiartigen Farbe versehen. Zum Bücherbinden eignet sich das wahrscheinlich nur, wenn man ein unübersehbares und wasserfestes Logbuch herstellen will … Das würde doch irgendwie beim Schildbau verwendbar sein.
  • Ich hatte durch mein Buchbinderhobby Lineale und Messer in verschiedenen Größen und ein Falzbein, um den Bezug festzureiben.
  • Im Zuge der Renovierung unseres Hauses waren mir beim Baumarkt Fleur de Lys als plastische Styroporteile und als Schablone zum Bemalen von Tapeten in die Finger geraten und gleich dran kleben geblieben.

Was fehlte mir?

  • Zuallererst Holz, um den Schildkorpus herzustellen.
  • Rohhaut für die Randverstärkung
  • Nägel zum Befestigen der Riemen und des Armpolsters
  • Werkzeug für eine vernünftige Lederbearbeitung. Mit einem Zirkel als Ahle ist auf Dauer kein Staat zu machen … Da mussten eine richtige Ahle und ein Lochrad her, um eine gerade Naht herstellen zu können.
  • Eine Werkbank, die auch ein paar Tage mit halbfertigen Werkstücken stehen kann, ohne dass sie für andere Arbeiten vermisst wird.
  • Spanngurte, um das Holz in die gewünschte Form zu biegen
  • Füllmaterial für das Armpolster

Ergänzend darf ich anmerken, dass ich das Lederwerkzeug und die Werkbank nicht nur wegen dieses – vielleicht – einzigen Schildes haben wollte, den zu bauen ich beabsichtige, sondern dass ich das auch fürs Bücherbinden weiterverwenden kann.

Die Werkbank fand sich im Sommer 2016, als Penny so ein Teil anbot; die Spanngurte habe ich im Urlaub bei Norma gefunden. Das Lederwerkzeug bekam ich zum Geburtstag. Es stammt von dem fränkischen Fachhändler Rickert, bezogen über das Internet.

Hinsichtlich des Baumaterials entschied ich mich entgegen der Empfehlung der Bauanleitung für Sperrholz aus dem Baumarkt. Das mag nicht die Stärke haben, die sechslagiges Birkensperrholz hat, wie im Buch empfohlen, aber da der Schild mit großer Wahrscheinlichkeit nicht für reale Kämpfe eingesetzt werden wird, sondern doch eher Deko sein soll, betrachte ich die Stärke als ausreichend und habe auch nur zwei statt der empfohlenen drei Platten eingesetzt.

Als Nägel für die Randverstärkung, die Riemen und das Armpolster hatte ich Polsternägel vorgesehen, von denen ich aus anderer Veranlassung gar zu gut weiß, wie leicht sie sich verformen. Ein Umschlagen dieser Nägel auf der jeweiligen Rückseite würde keine Probleme machen. Zudem haben sie so große Köpfe, dass eine Unterlegscheibe entbehrlich ist, die von der Bauanleitung empfohlen wird, um zu verhindern, dass die Riemen bei starker Beanspruchung ausreißen.

Das Rohleder habe ich in Form eines großen Hundekauknochens im Tierfutterhandel gekauft. Eine ganze rohe Pergamenthaut zu kaufen, wäre zum einen etwas übertrieben gewesen, wenn ich sie nur für die Randverstärkung nutzen wollte, zum anderen hätte ich dafür auch keine Bezugsquelle in meiner Nähe gehabt (die beispielhaft genannte Gerberei in Diepholz ist für mich nicht gerade um die Ecke – und eine Mindestabnahme mehrerer ganzer Rohhäute für ca. 130 € das Stück, das war für das, was ich vorhatte, völlig unverhältnismäßig.) Von dem Kauknochen ist noch genügend Material für mindestens ein bis zwei weitere Schilde übriggeblieben.

Dann war mir noch ein kleiner Hammer unter die Finger geraten, der mein Werkzeug auch für sonstige Arbeiten für kleines Geld bereichert.

Das Projekt hatte verdammt lange Beine (von Dezember 2014 bis Oktober 2016), aber wenn man auf so vielen Hochzeiten zu tanzen versucht, wie ich, dann ist Zeit doch oftmals Mangelware.

Das größte Kopfzerbrechen bereitete mir zunächst die Positiv-Form, die ich für die gleichmäßige Biegung der Sperrholzplatten benötigte. Gedanklich konstruierte ich mir schon eine zerlegbare Schablone für die Rundung des Schildes. Das bedeutete, ich hätte noch zwei oder drei Holzlatten haben müssen, mindestens eine der Sperrholzplatten zu hoffentlich halbrunden Stücken sägen müssen … Das klang nach richtigem Aufwand. Und wenn man voraussichtlich nur einen Schild bauen wird, weil man sich keine ganze Sammlung davon anlegen will und so etwas auch nicht verkaufen will, dann macht eine derart aufwändige Konstruktion, deren Haltbarkeit auch erst getestet werden müsste, wohl nicht den ganz großen Sinn.

Dann stellte sich mir die Frage, wie ich es vermeiden konnte, die Nägel des Armpolsters auf die Vorderseite durchzuschlagen. Mir kam die Idee, den Schild in zwei Teilen zu bauen, Polster und Riemen anzubringen, die Vorderseite zu gestalten und dann erst die beiden Teile zu verkleben und mit der Randverstärkung zu befestigen.

Vor ungefähr zwei Wochen hatte ich dann die passende Idee, wie ich das Holz biegen konnte, ohne solch einen Aufwand zu betreiben: Ich habe eine große Papprolle, in der Zeichnungen oder Poster knickfrei transportiert werden können. Die habe ich in meine Werkbank eingespannt und eine der beiden geplanten Sperrholzplatten mithilfe der Gepäckbänder darüber gespannt. Drei Tage habe ich das auf der Werkbank gelassen und dann die Bänder gelöst. Zack, die Platte sprang wieder in die ursprüngliche Form zurück! Ich war erst einmal ratlos. Wieso funktionierte das nicht?

Dann hatte ich noch ein weiteres Problem entdeckt: Nach der Bauanleitung war es nicht ratsam, die Schildform erst auszuschneiden und dann erst die Platten zu biegen und zu verkleben. Begründet wurde das mit möglicherweise nicht völlig gleichmäßigem Kleben der Platten am Rand. Ich wollte das eigentlich ignorieren, aber dann fiel mir noch folgendes Problem auf: Wie, zur Hölle, sollte ich es eigentlich hinkriegen, die beiden Teile des Schildes wirklich identisch zu bekommen? Eine direkte Vorlage hatte ich nicht. Die beiden Spielzeugschilde in meinem Besitz sind deutlich kleiner als das, was ich da plante.

Mein Blick fiel auf ein Sortiment von Leisten, unter denen auch eine rechteckige Leiste war. Das Ding ist etwa einen Meter lang und biegt sich sehr schön. Mithilfe einer gewöhnlichen Wäscheklammer und einer Klemmzwinge habe ich sie an der Schmalseite der Sperrholzplatte fixiert und sie dann gebogen, bis ich den mir passend erscheinenden Bogenschenkel erreicht hatte. Das habe ich mit Bleistift nachgezogen und das Ganze auf der anderen Seite wiederholt. Sah gut aus.

Nun ist eine solche Leiste kein Lineal mit entsprechenden Maßeinheiten – und ich hatte in meiner Freude vergessen, an der Leiste eine Markierung anzubringen, die mir eine Wiederholung der vorherigen Anzeichnung ermöglichen würde. Wenn ich das in identischer Form auf die zweite Platte übertragen wollte und eine vernünftige Verbindung der beiden Platten in gesägtem und gebogenem Zustand nicht sehr haltbar erschien, blieb eigentlich nur, die Platten jedenfalls „zusammenzuheften“ und nach dem Biegen und Sägen wieder auseinanderzunehmen, um die Teile getrennt voneinander zu bearbeiten. Gesagt – getan und einen Tag liegen lassen.

Am folgenden Tag nahm ich die Gurte ab und durfte feststellen, dass der erste Auftrag des Klebers die Platten keine dreieinhalb Sekunden zusammenhielt. Da musste doch mehr her  … Also eine größere Menge Kleber – aber keinesfalls auf der ganzen Fläche; es sollte ja nur vorübergehend haften – mit Zahnspachtel aufgetragen, beide Platten ordentlich Ecke auf Ecke zusammengepappt und mit den Gepäckbändern wieder über die Papprolle und die Werkbank gebogen. Sendepause für diesen Tag.

Drei Tage habe ich das liegen lassen. Dann habe ich die Bändsen wieder gelöst. Eheu! Die Platten hielten die Form! Stichsäge her! Ich habe die Form ausgesägt und die Sägeränder mit einer Schleifmaschine schön glatt geschliffen, dabei noch einen Sägefehler beseitigt. Dann wollte ich die Platten trennen … Mit der bloßen Hand ging es nicht. Nachdem auch der Einsatz eines Schraubendrehers eher einen Bruch in einer der beiden Platten verursacht hätte, als sie glatt und unbeschädigt zu trennen, wurde mir klar, dass ich die nicht mehr auseinander bekam. Verflucht, verdammt und halleluja! Die klebten zusammen wie Pech und Schwefel! Ich war also doch genötigt, in einem Stück zu arbeiten.

Der nächste Schritt war, die Innenseite mit Leinwand zu beziehen. Die drei Malerleinwände gaben letztlich nur für die Innenseite ausreichend Material her. Was überstand, habe ich wie einen Bucheinband über den Rand gezogen und dann einen Rand ausgeschnitten, der etwa dem entsprach, was ich als Rohlederrand auch darüber setzen wollte. Wieder trocknen lassen.

Als nächstes war die Rohlederverstärkung vorzubereiten. Die sollte nach der Bauanleitung wenigstens zwei Tage angepasst an den Schild trocknen, damit sie sich nicht mehr verzieht. Ich hatte definitiv keine Vorstellung, wie lange ein mehrlagig zusammengerollter und geknoteter Rohhautknochen wässern muss, bis die Haut eine verarbeitungsfähige Konsistenz hat … Au weia! Ich kam erst am späten Vormittag dazu, den „Knochen“ einzuweichen. Bis zum späten Nachmittag ließ sich da noch nichts lösen …

Währenddessen habe ich meine Lederbestände gesichtet. Der größte Teil davon ist braun oder schwarz gefärbtes Leder, aber es sind auch ziemlich wüst-bunte Teile darunter – quietschiges Rosa oder ein ganz schreckliches Lila. Mit beiden Farben kann man mich jagen bis ans Ende der Welt, und ich würde eher vom Rand springen, als solche Farben zu tragen … Die Handriemen sollten nach der Anleitung aus einem Mantel und einer Füllung aus mindestens zwei Lagen bestehen, um haltbar genug zu sein. Das war die Gelegenheit, die quietschrosanen und kreischlilanen Stücke nutzbringend loszuwerden … Klar war nach der Sichtung aber auch, dass ich Armpolster und Handriemen nicht aus Material der gleichen Qualität in einer Farbe herstellen konnte.

Und dann hatte ich ja noch das kleine Problem, womit ich die Polsterung selbst eigentlich herstellen wollte.

Weil die Leinwände nur Material für die Innenseite des Schildes hergaben, habe ich aus dem roten Buchbinderleinen ein grob passendes Stück für die Außenseite geschnitten. Rot wäre im geplanten Wappenbild in jedem Fall in größerer Fläche vorhanden, so dass damit gleich ein Teil der Farbe gegeben war.

Auf dem noch blanken Holz des Schildes habe ich dann testweise die Styroporlilien aufgelegt. Die Teile sollten nicht selbst aufgeklebt werden, sondern als Schablone zum Anzeichnen für die Gemeinen Figuren des Wappenbildes dienen. Die Größe passte gut zur Dimension der Schildvorderseite.

Kurz vor dem Abendessen konnte ich dann das Rohleder weit genug auseinandernehmen, um passende Stücke für die Randverstärkung zu suchen, anzupassen und zuzuschneiden. Es fanden sich zwei genügend lange Stücke, um die Längsseiten abzudecken, eines für den oberen Rand war ebenfalls ohne große Mühe herauszufiltern. Mithilfe von Wäscheklammern und Holzplättchen habe ich die zugeschnittenen Teile am Schildrand fixiert und zum Trocknen weggelegt.

Gegen Mittag des folgenden Tages habe ich den Trocknungszustand des Rohleders geprüft und festgestellt, dass es bereits so gut getrocknet zu sein schien, dass es abgenommen werden konnte. Als nächstes habe ich das Armpolster hergestellt. Als Füllung habe ich Schafwolle von einem vorhandenen Schaffell verwendet, das schon altersschwach genug war, um die Wolle stückweise fast widerstandslos abzuzupfen. Über dreißig Jahre hat das gute Stück vor meinem Bett gelegen, nachdem ich es 1983 aus Kanada mitgebracht hatte.

Ich habe den ersten Teil des Armpolsters an der Oberseite festgenagelt, Wolle untergelegt und die Seite in Richtung Schildfuß angenagelt. Da das Lederstück nicht lang genug war, um Unterarm und Hand zu polstern, musste noch ein zweites Deckstück her, das mit einigen Zentimetern Versatz das erste überlappt. Die Füllung ist damit gehindert, sich selbstständig zu machen.

Da ich nur zwei Sperrholzplatten verwendet hatte, war ein Durchschlagen der Nägel auf die Außenseite unvermeidbar. Erwartungsgemäß ließen sie sich aber gut umschlagen. Um zu verhindern, dass die Nägel dabei wieder herausrutschten, habe ich einen der von Leinwand befreiten Bilderrahmen als Amboss missbraucht, was am Rand auch prima funktionierte. Bei den in der Mitte des Schildes befindlichen Nägeln nützte der aber nichts mehr. Der Holzhammer tat als Gegenpol ab da bessere Dienste.

Dann stand ich vor einer geleerten Nagelschachtel – und mir fehlte tatsächlich noch ein Nagel am Armpolster! Im Bestand des Hauses fanden sich zwar noch goldfarbene Polsternägel, doch waren die unglücklicherweise etwas kleiner, als die, die ich verwendet hatte. Ein nachmittäglicher Besuch bei unserem Baumarkt erbrachte, dass goldfarbene Polsternägel in „meiner“ Größe auch da gerade aus waren … Mist! Ich habe letztlich silber- und bronzefarbene Polsternägel (Letztere waren leider auch nur kleiner zu bekommen) nachgekauft, dazu silberfarbene, nicht vernickelte Dachpappennägel und kurze schwarze Nägel.

Als ich dann einen silberfarbenen Nagel in das Armpolster schlug, überfiel mich der erste Zweifel, ob ich das Wappenbild so gestalten sollte, wie ich es vorhatte, nämlich als den königlichen Schild meines fiktiven Königreichs Wendland im 13. Jahrhundert – gespalten von Grün und Rot mit zwei schwebenden goldenen Lilien. Selbst, wenn man Reparaturen an einem solchen ritterlichen Gebrauchsgegenstand unterstellen müsste: Einen königlichen Schild repariert man nicht mit dem, was gerade zur Hand ist … Nicht einmal bei meinen persönlich eher bescheidenen wendländischen Königen …

Der nächste Schritt war die Fertigung von Hand- und Armriemen. Für den Handriemen fand sich ein genügend großes Stück braunes Leder als Ummantelung, als Füllung durften Lederteile in diesen schrecklichen Bonbonfarben herhalten. Sie sind unsichtbar und leisten in dieser Form doch nützliche Dienste … Nach der Bauanleitung hätten die Füllteile vernäht werden sollen, damit sie sich innerhalb der Griffhülle nicht verschieben. Ich habe mich dafür entschieden, sie mit Buchbinderleim zu verkleben. Bislang hat der auch Leder an Bucheinbänden festgehalten … Die Griffhülle bekam Nähte an allen vier Seiten aus schwarzem Zwirn. Die Löcher für die Naht habe ich mit dem Lochrad markiert, mit der Ahle nachgestochen und dann mit einer normalen Nähnadel und Zwirn genäht.

Nachdem der Handriemen fertig war, durfte ich feststellen, dass die 28 cm, die die Bauanleitung als Länge dafür vorgibt, jedenfalls für meine Hand selbst mit den dicksten Winterhandschuhen, die ich besitze – und das sind richtig fette Snowboardhandschuhe – deutlich zu lang waren. Mit bloßer Hand hätte ich den Riemen sogar mit beiden Händen halten können. Kürzen ist bei einem genähten Lederstück eher problematisch. Die Naht müsste geöffnet und nach dem Kürzen neu gemacht werden. Dazu war ich – ehrlich gesagt – dann doch zu faul und habe den Riemen lieber an beiden Enden umgeschlagen und dann festgenagelt. Die jetzige Größe ist für eine Nutzung mit (gewöhnlichem) Handschuh passend.

Als Armriemen empfiehlt die Bauanleitung einen verstellbaren Riemen aus zwei Teilen, die mit Löchern versehen werden, durch die als Verschluss ein Lederband gezogen wird, das verknotet wird. Mit einer Schnalle könnte man im Kettenhemd hängenbleiben. Angesichts der vorgegebenen Maße dieser Teilriemen – einer 30 cm, der andere 20 cm – reichte die Menge der zur Verfügung stehenden braunen Lederstücke für die Ummantelung nicht aus. Entsprechende Qualität und Menge bot sich mir nur mit olivfarbenem Leder. Aus olivgrünem Leder habe ich dann noch zwei Stücke als Halteschlaufen für die Schildfessel geschnitten, auf die Fessel selbst aber einstweilen verzichtet, da der Schild als Dekorationsobjekt aufgehängt werden soll.

Jan Kohlmorgen stellt in seiner Bauanleitung dar, dass die Schildfessel je nach Körpergröße 170 – 190 cm lang sein sollte, damit der Schild im Kampf beweglich bleibt. Ich habe einstweilen noch keine Schildfessel montiert. Einen derart langen Riemen hatte ich nicht zur Verfügung, hätte ihn also zusätzlich kaufen müssen. Auch wenn ich sie meiner Größe von knapp 170 cm angemessen deutlich kürzer machen würde, würde sie hinter dem aufgehängten Schild mehr als deutlich heraushängen. Das stört für mich das Bild, mag es auch der historischen Realität entsprechen (wobei es mindestens interessant ist, dass in den mir bekannten Wappenrollen der Herolde Schilde zwar in der gelehnten, also an der Fessel schräg aufgehängten Form abgebildet sind, teilweise samt auf der linken Ecke aufgesetztem Helm, die Fessel selbst aber nicht abgebildet wird). Die Alternative wäre, sie aufgerollt in den Arm- oder Handriemen stecken. Aber … ob ich für ein unsichtbar gemachtes Zubehörteil erst einmal zusätzliches Geld investieren sollte … das erschien mir nicht sehr klug zu sein.

Als ich dann beide Riementeile fertig hatte und den längeren Riemen unter Zuhilfenahme meines Gambesons anpassen wollte, staunte ich nicht schlecht, dass der 30-cm-Riemen allein lang genug war, damit ich sogar mit Gambeson in die Schlaufe passte – woraus zwanglos abzulesen ist, dass ich nicht gerade Unterarme wie Bäume habe … Der zweite Riemen konnte also wegbleiben und harrt nun einer anderen Verwendung.

Vor der Montage bekamen Armriemen und Halteschlaufen noch eine Punzierung in Form einer Wappenlilie verpasst, dann habe ich sie festgenagelt. Die durchgekommenen Nagelspitzen habe ich mithilfe des Holzhammers als Amboss für den Gegendruck umgeschlagen.

Für die Aufhängung habe ich etwa drei Finger breit unter dem oberen Schildrand zwei Löcher gebohrt, um ein Lederband hindurch zu ziehen, das als Aufhängevorrichtung dienen soll. Zwischen den Löchern habe ich einen Schlitz in Breite und Tiefe des Lederbandes gefräst, damit es unter dem Bezug der Außenseite nicht aufträgt.

Obwohl ich die durchgekommenen Nägel auf der Vorderseite umgeschlagen hatte, schien mir keineswegs sicher, dass die Spitzen oder die Bögen den Bezug der Außenseite nicht doch irgendwann durchdringen würden. Ich habe sie deshalb mit Modelliermasse aus dem Kreativbedarfshandel verspachtelt. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich gefragt, ob Wappen mit schrägrechten Balken nicht gerade bei dieser Gelegenheit entstanden sind. Die Nagelspur des Armpolsters lädt wirklich dazu ein, einen schrägrechten Balken aufzutragen …

Nachdem die Modelliermasse getrocknet war, habe ich Buchbinderleim auf der ganzen Fläche der Außenseite aufgetragen, den vorbereiteten Bezugsstoff wie einen Buchbezug aufgelegt und mit dem Falzbein angerieben. Die überstehenden Ecken des rechteckig geschnittenen Bezugsstoffes habe ich in diesem Arbeitsgang grob abgeschnitten, den Bezug auf die Innenseite umgelegt, wo er etwa 2 cm überstand und festgerieben. Beulen, die sich wegen der Rundung zur Schildspitze gebildet hatten, habe ich aufgeschnitten und so übereinander gelegt, dass die obere Schnittkante die untere überlappt. Bei einer (eventuellen) Verwendung im Freien sollte damit ein Eindringen von Regenwasser bis auf das Sperrholz ausgeschlossen sein.

Nun fehlte noch das Wappenbild. Wegen der unterschiedlichen Farben und Größen der auf der Innenseite verwendeten Nägel und der uneinheitlichen Lederausstattung wollte ich nicht das königliche Wappen Wendlands im 13. Jh. aufbringen, sondern ein „nachgeordnetes“ Wappen verwenden. Ich kam dann doch schnell auf mein Pseudonym-Wappen, das des Gundolf von Turmesch: Von Rot und Gold gespalten, belegt mit drei Fleur de Lys in gewechselten Tinkturen. Ein Anlagetest vermittelte, dass auch drei Lilien auf der Fläche keine Platzprobleme bekommen würden. Die Mitte habe ich mit Bleistift vorgezeichnet, die Lilien mit goldfarbenem Filzstift konturiert. Weil der heraldisch rechte Teil in diesem Fall schon durch den Bezug die passende Farbe hatte, habe ich die Feldergrenze mit Klebeband abgeklebt, um ein eventuelles Übermalen auszuschließen. Ich war mir nicht wirklich sicher, ob die rote Farbe in meinem Bestand tatsächlich der des Bezugsstoffes entsprach.

Nach dem ersten Anstrich fehlte mir bei den Lilien die plastische Erscheinung, die die Vorlagen hatten. Ich habe mich deshalb entschieden, sie perspektivisch ergänzend zu bemalen – und ich finde, dass mir das passabel gelungen ist. Die Alternative wäre ein Aufbau aus Modelliermasse oder Kreidegrund gewesen. Dafür allerdings fehlt mir wohl das künstlerische Geschick …

Die Bauanleitung empfiehlt eine Bemalung mit Plakafarbe, die abschließend mit einem farblosen Acrylsprühlack geschützt wird oder eine Bemalung mit authentischer Ei-Tempera-Farbe. Ich habe die bei mir vorhandenen modernen Acrylfarben benutzt und nicht historisch authentische Farben angemischt. Für mich lagen gute Gründe vor, es zu unterlassen, mir Farbpigmente in Pulverform, Dammarharz, Lein- und Terpentinöl zu beschaffen und 5 – 7 Eier für den Anstrich eines Dekoobjektes zu verwenden. Einerseits widerstrebt es mir, Lebensmittel – und das sind Eier für mich – für reine Dekorationszwecke zu … ja, missbrauchen. Andererseits ist die Herstellung von Ei-Temperafarbe relativ zeitaufwändig. Allein das Lösen des Harzes in Terpentinöl nimmt etwa zwei Tage in Anspruch. Die angemischte Farbe ist zudem nur wenige Tage haltbar. Obendrein benötigt eine deckende Farbschicht sechs bis acht Anstriche – und trocknet Wochen, wenn nicht gar Monate, wie die Bauanleitung einräumt. Der gewichtigste Grund war jedoch meine Gesundheit. Meine Innereien reagieren auf terpentinhaltige Farben ziemlich rabiat. Das in einem relativ kleinen Kellerraum zu verarbeiten und den Schild mit einer solchen Farbe im Flur aufzuhängen, das wäre meinem Magen nicht sehr zuträglich gewesen … Acrylfarbe riecht nicht, ist im verarbeitungsfähigen Zustand wasserlöslich, aber 24 Stunden nach dem Trocknen wasserfest und benötigt keinen schützenden Firnis.

Insofern habe ich lieber auf vorhandenes, wenn auch nicht historisch originales Farbmaterial zurückgegriffen. Auch diese Farbe benötigt mehr als einen Anstrich, aber mit maximal vier Anstrichen ist der Untergrund wirklich abgedeckt.

Der – für mich – vorletzte Schritt war die Montage der Randverstärkung. Leider hatten sich die Teile doch soweit verzogen, dass ich den Holzhammer zu Hilfe nehmen musste, um die nun wirklich durchgetrocknete Rohhaut auf den Schildrand zu bekommen. Für die Befestigung habe ich die kurzen schwarzen Nägel verwendet. Zwar ist die Verstärkung auf der Innenseite damit nicht befestigt, weil die kurzen Nägel nur an zwei oder drei Stellen, an denen die Rohlederschicht sehr dünn ist, durchgedrungen sind. Sie klemmt aber schon von allein so fest, dass sie nur mit größerem Kraftaufwand wieder hätte entfernt werden können. Insofern sind die Nägel schon fast eher eine Sicherheitsmaßnahme, als dass sie zur Befestigung der Randverstärkung wirklich nötig gewesen wären.

Etwas ärgerlich ist der Umstand, dass die Rohhaut schon beim ersten Anpassen im nassen Zustand sich nicht mit schieben, quetschen und drücken wirklich glatt an den Schildrand anlegen ließ – sowohl auf der Außen- als auch der Innenseite. Es blieben auf beiden Seiten Wellen, die wohl nur dann zu beseitigen gewesen wären, wenn ich die Haut bis fast zum Rand eingeschnitten hätte. Ob das der Schutzfunktion und Haltbarkeit zuträglich gewesen wäre, halte ich für zweifelhaft.

Die Bauanleitung empfiehlt ausdrücklich, die Bemalung des Schildes ohne die Randverstärkung zu machen, um die Rohhaut nicht mit der Farbe in Berührung kommen zu lassen, weil Farbe unter die Umrandung gezogen werden könnte. Der Eigenbau-Schild im Buch weist auch eine unbemalte Randverstärkung auf. Weshalb die Randverstärkung nicht bemalt werden sollte, erschließt sich mir nicht recht. Ob Acrylschutzlack, Firnis oder die von mir verwendeten Acrylfarben – in jedem Fall würde die nässeempfindliche Rohhaut damit geschützt. Ich jedenfalls habe mich entschieden, die Randverstärkung mit den Wappenfarben zu bemalen und meine, dass es gut aussieht.

Zu guter Letzt noch der Schild an seinem Bestimmungsort:

 

 

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