Gundolfs Bibliothek

Herzlichen Glückwunsch, Terence Hill

Lieber Terence Hill,

ich wünsche dir zu deinem heutigen 80. Geburtstag alles Gute – vor allem Gesundheit (ich kenne dich als jemanden, der mit seiner Gesundheit keinen Schindluder getrieben hat und der nie durch Abstürze irgendwelcher Art aufgefallen ist. Du warst und bist ein grundsolider Mann, aber in dem Alter darf ich das wohl doch langsam wünschen.)

Du, mein Lieber, bist an allem schuld, das muss ich dir auf diesem Wege mal sagen. Schuld daran, dass ich Geschichte und Geschichten als Hobby entdeckt habe, dass ich anhand einer Analyse deiner Filme begriffen habe, wie Charakterisierung läuft (meine Deutschlehrerin hat es nämlich nicht geschafft, mir das beizubringen. Die Arbeit war denn auch eine 4 – … und daraus folgend ein Leseverbot …). Daran, dass ich ganze Bücher schreibe (auch wenn es mir kommerziell nix einbringt)
Und das alles, weil ich als vierjähriges Kind einen Filmbildband zu „Winnetou II“ geschenkt bekam und du mir in Form des Leutnants Robert Merril direkt ins Herz gesprungen bist. Dafür danke ich dir von Herzen.

Gesehen habe ich den Film erst zehn Jahre später als er im Fernsehen lief, aber der Bildband bot genügend Information um mir zu verdeutlichen, dass da jemand war, der nicht nur verteufelt gut aussah, eine schnieke Uniform trug, sondern auch Gehirn und Gewissen hatte. Ich bin dem Drehbuchautor H. G. Petersson mehr als nur dankbar, dass er diesen Charakter erfunden hat, der in Karl Mays Roman nicht vorkommt, ich danke Harald Reinl, dem Regisseur, der dich in dieser Rolle besetzt hat – und nicht zuletzt dir, dass du sie gespielt hast. Es war zwar die einzige Karl-May-Rolle, in der du nicht den unerfahrenen Grünschnabel zu geben hattest, sondern einen durchaus mit dem Westen und seinen Macken vertrauten jungen Mann spielen durftest; sonst bekam dein durchaus auch von mir geschätzter Kollege Götz George die Rolle des schon mit gewisser Erfahrung gesegneten jungen Helden. Umso froher bin ich, dass es gerade dir vorbehalten blieb, meinen Lieblingscharakter sämtlicher Karl-May-Verfilmungen zu spielen. Ich wette, das damalige Kinopublikum hat dich gehasst wie die Pest, weil dein Charakter Winnetou die Frau wegschnappte. Diese Tatsache hat vermutlich dazu geführt, die Rolle dir zu geben und nicht Götz. Ich finde bis heute, dass der Tausch, den Ribanna machte, sicher nicht übel war …  

Junge, du ahnst nicht, was du ausgelöst hast! Ich glaube, meine weiterentwickelte Version hätte dir gut zu Gesicht gestanden. Dir kann ich ja sagen, dass mein Hauptcharakter Robert Bennett bis zur Veröffentlichung 2004 den Namen Merril trug und ich ihn nur deshalb geändert habe, um nicht mit den Rechteinhabern an Robert Merril aneinanderzugeraten. Dir kann ich ja auch verraten, dass die Personenbeschreibung meiner Variante von Bob Merril noch zwei Jahre vor der Veröffentlichung des Buches unter dem Titel „Der zerrissene Adler“ auf dich gemünzt war. Du hattest diese Rolle schließlich gespielt und warst von meinen ersten Schreibversuchen im Jahre des Herrn 1972 (!) an immer derjenige, den ich mir in dieser Rolle am besten vorstellen konnte. Das funktionierte auch Jahrzehnte später noch hervorragend – bis ich einen blonden Elben im dunkelhaarigen und braunäugigen Original sah, der dein Enkel sein könnte und seither diesen Platz besetzen darf.

Seit mehr als 50 Jahren bist du mit deiner Frau Lori verheiratet. Unter Filmschaffenden – gleich ob vor oder hinter der Kamera (du kennst beide Perspektiven recht gut) – ist das mehr als nur selten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass du sie erst bei den Dreharbeiten zu „Gott vergibt … Django nie!“ kennen gelernt hattest, weil sie als Englisch-Coach bei der Produktion angestellt war. Es gibt sie also, die haltbare Liebe auf den ersten Blick. Du und Lori, ihr beide beweist es.
Seit über 40 Jahren (wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt) lebst du in den USA in Massachusetts. Ich habe gelesen, dass du inzwischen die amerikanische Staatsangehörigkeit hast. Ich frage mich, unter welchem Namen: Terence Hill oder doch Mario Girotti?

Feiere schön. Ich wünsche dir ein langes und gesundes Leben.

P. S.: Ich fände es großartig, wenn der Bayerische Rundfunk auch die weiteren Staffeln von Bergpolizei liefern würde. Forstkommandant Pietro ist irgendwie eine ziemlich passende Fortsetzung zu Robert Merril (ganz abgesehen von dem Umstand, dass mich Südtirol (wo diese Geschichte spielt und auch gedreht wurde) und die Schweizer Alpen  immens für meine Schreiberei inspiriert haben.

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