France, je t’aime

Freitag, 13. November 2015.

An diesem Abend findet ein Fußballspiel statt. Die französische Fußballnationalmannschaft Les Bleus gegen die deutsche Nationalelf. Ein Freundschaftsspiel, ein Testspiel zweier bereits für die 2016 in Frankreich stattfindende Europameisterschaft qualifizierter Mannschaften. Es geht um nichts, sozusagen ums Goldene Baguette …

Am Nachmittag gibt es eine Bombendrohung gegen das Hotel, in dem die Deutschen einquartiert waren. Das Hotel wird evakuiert, die Fußballer zum nahegelegenen Tennisstadion Roland Garosse gebracht, wo im Sommer das French Open Tennisturnier stattfindet, eines der vier Grand-Slam-Turniere.

Die Bombendrohung erweist sich als blinder Alarm. Klingt nach bösem Scherz.

21:17 Uhr: Im Stade de France in Paris spielen die Mannschaften seit siebzehn Minuten. Es steht 0:0.

Ein Knall. Wenig später noch ein Knall.

Böse Scherze? Irgendwelche Bekloppten, die meinen, mit ins Stadion geschmuggelten Böllern Leute erschrecken zu wollen?

Der Kommentar von Tom Bartels klingt allerdings nicht so, als wären da aus Jux Böller im Stadion gezündet worden. Offensichtlich ist im Stadion selbst nichts zu erkennen, sonst würde er wohl auf die Unverbesserlichen hinweisen, die es einfach nicht lassen können, Pyrotechnik in Fußballstadien zu zünden und es mit Spaß begründen.

In der Halbzeitpause wird klar: Es sind Bekloppte. Nur sind sie keine bekloppten Spaßvögel mit mehr oder weniger harmloser Pyrotechnik. Und es kracht nicht nur am Stade de France. An sechs weiteren Stellen in Paris sind sie zu diesem Zeitpunkt. Es sind Mörder. Eiskalte, feige, hinterhältige Mörder, die mit Kalaschnikows und Sprengstoffgürteln wahllos Menschen niedermetzeln, die ihnen nichts getan haben. Menschen, die ihr Leben in Restaurants, Straßencafés und der Konzerthalle Ba’ta clan bei einem Rockkonzert genießen und an nichts Böses denken. Ahnungslos. Wehrlos. Am Ende sind fast 130 Menschen tot, 350 verletzt, 99 davon lebensgefährlich.

Ihre Mörder sind feige Banditen, die sich einer irdischen Strafe dadurch entziehen, dass sie die Sprengstoffgürtel zünden, die sie mit sich tragen, die außer diesen Mistkerlen auch noch andere Menschen aus dem Leben reißen. Und das mit Vorsatz. Mit Absicht. Mutwillig. Und aus einem religiösen Wahn, der in Europa nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges nicht mehr möglich schien.

Es ist Terror. Terror im Namen einer Religion, die es nicht verdient hat, von solchen … Bastarden … in Misskredit gebracht zu werden!

Nein, diesem Terror beuge ich mich nicht! Tue ich das, habe ich Angst vor dem, was geschehen kann, dann haben diese Widerlinge schon gewonnen.

Nein, ich mache nicht dabei mit, die Schuld dem Islam zu geben. Der Islam als solcher ist für diese Irren so wenig verantwortlich wie das Christentum als solches nicht verantwortlich ist für die unfassbaren Auswüchse, die als Kreuzzüge, Juden- und Hexenverfolgungen in die Geschichte eingingen.

Es sind Menschen, die dafür verantwortlich sind, die sich hinter einer Religion verstecken; die eine Religion als Ausrede missbrauchen, um vermeintliche Machtansprüche gewaltsam durchzusetzen.

Wie immer man Gott auch nennen mag – Gott, Allah, Manitu oder sonstwie – es ist immer derselbe. Und er verlangt ganz gewiss nicht, dass in seinem Namen Menschen umgebracht werden!

Es sind Menschen, die nicht ertragen können, dass es Menschen gibt, die in einem freiheitlichen Lebensstil, in friedlichem Genuss, in profaner Musik keine moralischen Abgründe sehen, sondern Freude.

Aber diese Freude lasse ich mir von solchen Idioten nicht nehmen!

In einem Punkt bin ich mir als gläubiger Mensch sehr sicher: Gott ist gerecht.

Und wenn es wahr ist, dass Selbstmörder in der Hölle landen, dann haben diese hinterhältigen Massenmörder am Freitagabend noch Bekanntschaft mit dem Sheitan gemacht. Wir nennen ihn auch Satan … Vorname Luzifer Beelzebub.

Im Januar, als die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo beinahe ausgerottet wurde, sagte ganz Europa

Je suis Charlie.

Heute sage ich

Je suis parisienne, je suis française.

Vive la France! Vive la republique! Vive egalité, fraternité, liberté!

Die Inschrift im Pariser Wappen lautet

Fluctuat nec mergitur.

(Von Wogen geschüttelt, wird es doch nicht untergehen)

Paris wird nicht untergehen, Frankreich wird nicht untergehen. Denn wir alle sind Paris, wir alle sind Frankreich. Und uns alle können sie nicht umbringen!

Und noch was: Diese widerwärtigen Terrormorde von Paris machen deutlich, dass wir in Europa die Menschen, die aus Syrien und dem Irak geflohen sind, die hier vor diesen Wahnsinnigen Schutz suchen, auch vor ihnen schützen müssen. Es darf nicht sein, dass wir diese Menschen mit diesen verblendeten Fanatikern in einen Topf werfen.

Seid ohne Furcht im Angesicht eurer Feinde! Seid tapfer und aufrecht, auf dass Gott euch lieben möge! Sprecht immer die Wahrheit, auch wenn es den eigenen Tod bedeutet! Beschützt die Wehrlosen – und tut kein Unrecht!

 

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