Projekt 10: Karteikasten

Im Februar 2021 war ich mal wieder bei meinem Rheumatologen. Frau Doktor wies mich auf mein unbestreitbares Übergewicht hin und sagte mir, ich müsse täglich mindestens eine halbe Stunde stramm spazieren gehen, denn erst nach 25 Minuten setze die Fettverbrennung ein. Nun gehöre ich zu denen, die in der eigenen Umgebung nicht gern herum latschen. Und wenn mir einer sagt: „Du musst …“, werde ich erst recht bockig.

Aber dass es notwendig war, abzunehmen, das war mir durchaus bewusst. Im Februar 2021 erreichte ich den traurigen Rekord von 101 Kilo am Abend. Für knapp 170 cm Körpergröße ist das zweifellos erheblich zu viel. Deshalb wollte ich das nach meiner altbewährten Methode machen: bewusst essen und Kalorien zählen.

Zu diesem Zweck besitze ich schon seit zwei Jahrzehnten zwei kleine Bücher, in denen die Nährwerte der meisten Lebens- und Genussmittel enthalten sind. Das eine, in dem die Dinge alphabetisch geordnet sind, hat eine derart kleine Schrift, dass ich sie nur ohne Brille direkt vor der Nase lesen kann. Das andere ordnet die Dinge nach Arten ein – Gemüse, Fleisch, Fisch, Fette, Brot, etc. Das ist etwas unübersichtlich. Kalorientabellen gibt es auch im Internet, hat aber zur Voraussetzung, dass ein eingeschalteter Computer in Griffweite ist. Ist auch nicht immer das Ideale.

Ich wollte also eine analoge Kalorienkartei anlegen. Da so etwas wachsen kann – man entdeckt ja auch mal neue Lebensmittel – geht das am besten mit einem Karteikasten. So ein Teil besitze ich zwar, weil ich mir im vorletzten Zeitalter eine LP-Kartei angelegt habe, aber der dazu gehörige Kasten ist als Postament für die DAB+-Antenne im Büro zweckentfremdet worden und unabkömmlich, weil kein anderes Ding in unserem Haus exakt diese Dimension hat, die einzig die richtige Position für die Antenne hergibt. Ein ebenfalls eigentlich als Karteikasten geborener Holzkasten beherbergt seit einigen Jahren mein Werkzeug für die Buchbinderei und die Papierstanzen, die sich bei mir angesammelt haben. Zudem ist er für die Kartendimension A 6 ausgelegt, die für eine Kalorienkartei eindeutig zu groß ist.

Karten der Dimension A 7, die dafür passen, sind 10,5 cm lang und 7,5 cm hoch. Da zwischen die Karten noch Registerkarten mit Buchstaben kommen sollten, die 8,5 cm hoch sind, musste der Korpus mindestens 7 cm hoch sein, besser noch 8 cm. Fertige Leisten für den Korpus schieden deshalb aus. Hier mussten Sperrholzplatten verwendet werden.

Als die Geschäfte Anfang März 2021 öffneten und ich wieder in den Baumarkt gehen konnte, habe ich einmal ordentlich eingekauft und Sperrholzplatten von DIN A5 bis DIN A3 eingekauft, dazu noch diverse Leisten.

DIN A5 erschien als passable Größe für einen neuen Karteikasten. Zwei dieser Platten wurden zu Boden und Deckelplatte. Aus einer 20 mm-Leiste entstanden die Deckelleisten. Weil ich aus diesen keine Zapfen sägen wollte, habe ich die Leisten 1 cm kürzer als Deckelbreite und –länge gesägt und in den Ecken 5 x 5 mm-Leisten als Eckstücke eingesetzt.

Für den Korpus habe ich eine DIN A5-Platte längs gesägt, was eine Seitenwand von 7 cm Höhe ergab. Von einer weiteren DIN A5-Platte habe ich für die Querseiten von der Schmalseite 2 x 7 cm-Stücke abgesägt. Die so entstandenen Korpusteile habe ich jeweils mit Zapfen versehen und mithilfe des Rahmenspanners zu einem Rechteck verklebt und nach dem Trocknen auf dem Boden aufgeklebt.

Mit Reststücken aus vorangegangenen Arbeiten habe ich zwei innere Seitenwände hergestellt, die 5 cm hoch, 19,4 cm lang und 4 mm breit sind. In die Ecken des Kastens habe ich hochkant jeweils eine 6 cm lange Nutleiste eingeklebt, in die die inneren Seitenwände eigesetzt wurden. Ich musste dafür Sperrholz nehmen, weil die fertigen Leisten jeweils 5 mm stark sind, die Nuten aber nur 4 mm weit sind.

Unten in die inneren Seitenwände habe ich Schlitze gesägt, die groß genug sind, um darin einem Zahnstocher Platz zu bieten. Aus weiterem Restmaterial entstanden drei Zwischenwände, um die Karteikarten etwas aufzuteilen. An diese Zwischenwände habe ich oben rechts und links überstehende Halter aus 3 x 7 mm Leisten und an der Unterseite rechts und links einen in zwei Teile geschnittenen Zahnstocher mit den Spitzen nach außen angeklebt. Die inneren Seitenwände blieben herausnehmbar.

Für die Deckelhalterung hatte ich zunächst eine Führung aus Sperrholz eingeplant: Oben am Deckel sollte sie festgeklebt sein und im Korpus mit einer Buchschraube, die in einem Schlitz im Viertelkreis wie bei einem Sextanten geführt wird, befestigt sein. Es wollte einfach nicht passen. Zwei Löcher habe ich deshalb im Deckel und Korpus umsonst gebohrt und den Deckel dann doch mit einer Seidenbandbremse versehen.

Zur Abdeckung der Löcher habe ich aus Ton mithilfe einer Silikonform Zierelemente gepresst, sie nach dem Trocknen farbig bemalt und auf die Löcher geklebt. Aus Gründen der Symmetrie erhielt die gegenüberliegende Seite die gleichen Tonverzierungen. Ebenfalls aus Ton mithilfe der gleichen Silikonform eine Zier aus Krone und von Lorbeer umkränzter Lilie gepresst, verziert und auf den Deckel geklebt.

Zum Öffnen dient ein Möbelknopf, der mit einer möglichst kurzen Schlossschraube an die Schmalseite geschraubt wird, 2 Minischarniere halten den Deckel an der schmalen Rückseite. Ich habe sie mit je 2 6 mm-Minischrauben befestigt, die von Amazon als Sortimentsware (8, 7 und 6 mm lang, silber-, gold- und bronzefarben) angeboten wird. Die mit den Minischarnieren mitgelieferten 8-mm-Minischrauben sind für das Sperrholz und die Stärke des Sperrholzes zu lang und bilden eine Gefahrenquelle für Verletzungen.

Material:

 

4 DIN A 5-Sperrholzplatten

1 1000 mm x 20 mm x 5 mm Holzleiste

Nutleiste 12 mm x 16 mm, ausreichend für 4 x 6 cm-Stücke

Holzleiste 5 mm x 5mm, ausreichend für 4 x 2 cm-Stücke

3 Zahnstocher

6 Teile einer 3 mm x 7 mm Holzleiste

Holzleim

Ton oder selbsttrocknende Knetmasse für Verzierung

Silikonformen für Ton oder Knetmasse nach Geschmack

2 Minischarniere

4 farblich passende Minischrauben (6 mm)

Möbelknopf + kurze Schlossschraube

Seidenband

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